Ein dichter, sattgrüner Rasen wirkt selbstverständlich. In der Praxis ist er das selten. Moos, Rasenfilz und Nährstoffmangel schleichen sich oft unbemerkt ein – vor allem nach dem Winter oder einem langen Sommer. Spätestens dann stellt sich die zentrale Frage: Rasen vertikutieren und düngen – aber in welcher Reihenfolge, zu welchem Zeitpunkt und mit welchem Ziel?
Die meisten Fehler passieren nicht aus Nachlässigkeit – sondern weil niemand genau weiß, was wann richtig ist. Denn wer den Rasen pflegen will, steht schnell vor widersprüchlichen Empfehlungen. Erst vertikutieren oder erst düngen? Wann ist der richtige Zeitpunkt – und wie geht es danach weiter?
Dieser Artikel ordnet das Thema ein, erklärt Zusammenhänge und zeigt, wie Sie Ihren Rasen gezielt stärken – ohne Überpflege und ohne unnötige Maßnahmen.
Inhalt
- Warum Vertikutieren und Düngen zusammengehören
- Erst vertikutieren oder erst düngen? Die klare Reihenfolge
- Rasen vertikutieren im Frühjahr: der Neustart
- Rasen vertikutieren im Herbst: sinnvoll oder riskant?
- Den Rasen nach dem Vertikutieren düngen? Worauf es ankommt
- Typische Fehler beim Vertikutieren – und wie Sie sie vermeiden
- Rasenpflege nach Vertikutieren: die nächsten Wochen
- Rasen vertikutieren und düngen – wie oft im Jahr?
- Unterstützung im Alltag: automatisierte Rasenpflege
- Fazit: Rasen vertikutieren und düngen – mit System statt Routine
- Häufig gestellte Fragen: Rasen vertikutieren und düngen
Warum Vertikutieren und Düngen zusammengehören
Vertikutieren und Düngen sind zwei unterschiedliche Pflegeschritte mit einem gemeinsamen Ziel: Der Rasen soll wieder wachsen können. Das funktioniert nur, wenn er Luft, Wasser und Nährstoffe erreicht.
Beim Vertikutieren wird die oberste Schicht aus Filz, Moos und abgestorbenen Pflanzenresten entfernt. Der Boden wird geöffnet, die Graswurzeln bekommen wieder Sauerstoff. Düngen liefert anschließend genau die Nährstoffe, die das Gras jetzt aufnehmen kann.
Wird nur gedüngt, ohne vorher zu vertikutieren, versickert ein Teil der Nährstoffe wirkungslos im Filz. Wird nur vertikutiert, fehlt dem Rasen oft die Kraft zur Regeneration.
Der Rasenfilz entsteht schneller, als man denkt. Schon ein bis zwei Zentimeter reichen aus, um Wasser und Nährstoffe zu blockieren. Das Gras wächst schwächer, Moos bekommt Raum. Viele merken das erst, wenn braune Stellen auftauchen oder die Fläche nach Regen länger feucht bleibt als früher.
Erst vertikutieren oder erst düngen? Die klare Reihenfolge
Diese Frage taucht in fast jedem Gartenjahr auf. Manche düngen vorher, um dem Rasen „Kraft zu geben“. Andere vertikutieren zuerst, sind sich aber unsicher, ob das richtig war. Die Antwort ist klar:
Erst vertikutieren, dann düngen.
Der Grund ist simpel. Beim Vertikutieren entstehen kleine Verletzungen im Boden. Genau das ist gewollt. Der Rasen wird geöffnet. Nährstoffe gelangen jetzt direkt an die Wurzeln. Wer vorher düngt, riskiert, dass der Dünger beim Vertikutieren wieder entfernt wird oder ungleichmäßig wirkt.
In der Praxis heißt das: Vertikutieren Sie gründlich, aber nicht tiefer als nötig – 2 bis 3 Millimeter reichen meist. Entfernen Sie das ausgekämmte Material vollständig, düngen Sie am selben oder nächsten Tag und wässern Sie leicht, damit sich der Dünger löst.
Ein Gartenbesitzer aus Stuttgart erzählte vor kurzem, dass er jahrelang erst gedüngt, dann vertikutiert hatte. Der Rasen wurde nie richtig dicht. Als er die Reihenfolge umdrehte, zeigte sich bereits nach drei Wochen ein deutlich dichterer Wuchs.
So kann der Rasen die Nährstoffe direkt nutzen. Die Wirkung ist merklich besser als bei umgekehrter Reihenfolge.
Manche Gartenbesitzer schwören darauf, eine Woche vor dem Vertikutieren zu düngen, damit das Gras „gestärkt“ in den Eingriff geht. Das schadet zwar nicht, hilft aber auch nicht wirklich weiter. Der Hauptdünger sollte trotzdem nach dem Vertikutieren kommen.

Rasen vertikutieren im Frühjahr: der Neustart
Der Klassiker ist das Rasen vertikutieren im Frühjahr. Und das aus gutem Grund. Nach dem Winter liegt oft viel Filz auf der Fläche. Das Gras beginnt zu wachsen, kommt aber nicht richtig durch.
Der richtige Zeitpunkt im Frühjahr
Warten Sie, bis der Boden frostfrei ist, das Gras sichtbar wächst und die Bodentemperatur stabil über 8 bis 10 Grad liegt.
Je nach Region ist das meist zwischen März und April der Fall. In milden Lagen wie dem Rheinland kann es schon Mitte März losgehen. In höheren Lagen oder im Osten Deutschlands eher Ende April. Zu frühes Vertikutieren schadet, weil sich der Rasen noch nicht regenerieren kann.
Ein einfacher Test: Wenn Sie beim Mähen merken, dass das Gras merklich wächst und nicht mehr nur minimal gekürzt wird, ist der Zeitpunkt gekommen. Vorher macht Vertikutieren wenig Sinn.
Rasen vertikutieren, und wann düngen – der Ablauf im Detail
Die Frage „Wann den Rasen vertikutieren, und wann düngen?“ lässt sich zeitlich klar beantworten:
Am ersten Tag mähen Sie morgens den Rasen kurz auf 2 bis 3 Zentimeter, vertikutieren nachmittags in Längs- und Querrichtung und entfernen abends das ausgekämmte Material vollständig. Am nächsten Tag düngen Sie mit Frühjahrsrasendünger (etwa 20 bis 30 Gramm pro Quadratmeter) und wässern bei Bedarf leicht, falls kein Regen kommt.
Diese Abfolge hat sich bewährt. Der Rasen bekommt keine unnötige Pause zwischen den Maßnahmen, kann aber auch nicht überfordert werden.
Danach düngen – aber angepasst
Nach dem Vertikutieren im Frühjahr braucht der Rasen vor allem Stickstoff für das Wachstum, Kalium für die Widerstandskraft und etwas Phosphor für die Wurzelbildung.
Ein ausgewogener Frühjahrsdünger unterstützt genau diese Phase. Wichtig ist, nicht zu hoch zu dosieren – mehr hilft hier nicht schneller, sondern schadet eher. Überdüngung kann Verbrennungen verursachen, gerade auf der frisch geöffneten Fläche.
Typische Dosierung: 20–30 Gramm pro Quadratmeter. Bei einem 100-Quadratmeter-Rasen sind das 2 bis 3 Kilogramm Dünger. Wer einen Streuwagen nutzt, vermeidet Ungleichmäßigkeiten.
Rasen vertikutieren im Herbst: sinnvoll oder riskant?
Auch das Rasen vertikutieren im Herbst wird häufig diskutiert. Es kann sinnvoll sein – unter bestimmten Bedingungen.
Im Herbst geht es nicht um Wachstum, sondern um Vorbereitung auf den Winter. Leichter Filz und Moos können entfernt werden, wenn:
- der Rasen noch aktiv wächst
- die Temperaturen stabil über 10 °C liegen
- kein erster Frost absehbar ist
Ein tiefes Vertikutieren ist im Herbst nicht empfehlenswert. Die Regeneration dauert zu lange. Besser: nur oberflächlich arbeiten, maximal 1–2 mm Tiefe.
Zeitfenster: Ende August bis Mitte September ist ideal. Später wird es kritisch. Der Rasen braucht etwa vier bis sechs Wochen, um sich zu erholen. Kommt dann schon der erste Frost, bleiben Schäden zurück.
Ein Gartenbesitzer aus Monschau in der Eifel erzählte mir, dass er Ende Oktober 2023 vertikutiert hatte – bei noch milden 15 Grad. Drei Wochen später kam ein früher Frost mit minus 8 Grad. Der Rasen blieb den ganzen Winter über lückig, etwa 30 Quadratmeter mussten im Frühjahr nachgesät werden. Seitdem vertikutiert er im Herbst nur noch bis Mitte September.
Düngen im Herbst – aber anders
Nach dem Vertikutieren im Herbst sollte ein kaliumbetonter Herbstdünger eingesetzt werden. Stickstoff tritt in den Hintergrund. Kalium stärkt die Zellstruktur und macht den Rasen frostresistenter.
Die Dosierung liegt meist niedriger als im Frühjahr: 15–25 Gramm pro Quadratmeter reichen. Der Rasen soll gestärkt, nicht zum Wachstum angeregt werden.
Den Rasen nach dem Vertikutieren düngen? Worauf es ankommt
Der Schritt, den Rasen nach dem Vertikutieren zu düngen, entscheidet darüber, ob sich die Fläche erholt oder lückig bleibt.
Achten Sie auf ein paar Dinge: Düngen Sie auf leicht feuchtem Boden (nicht nass, nicht trocken), gießen Sie nach, wenn kein Regen kommt (10 bis 15 Liter pro Quadratmeter), betreten Sie die Fläche in den ersten Tagen möglichst wenig und meiden Sie extreme Wetterlagen wie Hitze oder Starkregen.
Manchmal sieht der Rasen nach dem Vertikutieren erschreckend kahl aus. Das ist normal. Wichtig ist, jetzt nicht ungeduldig zu werden. Nach zwei bis drei Wochen zeigt sich meistens deutlich dichterer Wuchs. Nach sechs Wochen ist die Fläche oft dichter als vorher.
Nachsäen ist sinnvoll, wenn Sie beim Vertikutieren größere kahle Stellen sehen. Säen Sie direkt nach dem Vertikutieren – noch vor dem Düngen. Die Samen brauchen Bodenkontakt. Düngen Sie dann trotzdem komplett, die jungen Keimlinge profitieren davon.

Typische Fehler beim Vertikutieren – und wie Sie sie vermeiden
Beim Thema Rasen vertikutieren tauchen bestimmte Fehler immer wieder auf.
Fehler 1: Zu tiefes Vertikutieren
Viele Geräte lassen sich sehr tief einstellen. Das schadet mehr, als es nutzt. Wenn Sie nach dem Vertikutieren Erdklumpen auf der Fläche sehen, waren Sie zu tief. Die Messer sollen nur leicht die Oberfläche anritzen – 2 bis 3 Millimeter im Frühjahr, 1 bis 2 Millimeter im Herbst reichen völlig.
Fehler 2: Falscher Zeitpunkt
Vertikutieren bei Trockenheit oder Frost schwächt den Rasen unnötig. Im Sommer bei 30 Grad ist der Rasen gestresst, Wunden heilen langsam. Im März bei Bodenfrost ist es ebenso problematisch.
Fehler 3: Kein Nachdüngen
Ohne Nährstoffe bleibt der Rasen geschwächt zurück. Das ist einer der häufigsten Fehler. Manche denken, die „Frischluft“ allein reicht. Tut sie nicht. Der Rasen braucht nach dem Vertikutieren gezielt Stickstoff und Kalium, um sich zu erholen.
Fehler 4: Zu häufiges Vertikutieren
Einmal pro Jahr reicht völlig aus. Bei extrem starkem Filz eventuell zweimal, aber nicht öfter. Wer drei- oder viermal vertikutiert, stresst den Rasen dauerhaft.
Fehler 5: Ausgekämmtes Material liegen lassen
Das herausgekratzte Moos und der Filz müssen weg. Wer sie liegen lässt, riskiert Fäulnis und neue Moosbildung. Vollständiges Entfernen kostet Zeit, lohnt sich aber – sonst war die ganze Arbeit umsonst.
Rasenpflege nach Vertikutieren: die nächsten Wochen
Die Rasenpflege nach dem Vertikutieren ist mindestens so wichtig wie der eigentliche Eingriff. Jetzt entscheidet sich, ob sich die Fläche schließt.
Mähen und bewässern
Warten Sie etwa ein bis zwei Wochen, bevor Sie wieder mähen. Das Gras braucht Zeit, um sich zu erholen. Schneiden Sie dann nicht zu kurz – 4 bis 5 cm Schnitthöhe sind ideal. Der Rasen soll Kraft sammeln, nicht erneut gestresst werden.
Gleichmäßige Feuchtigkeit ist entscheidend. Staunässe vermeiden, Austrocknung ebenso. In trockenen Phasen sollten Sie alle zwei bis drei Tage wässern – durchdringend, nicht oberflächlich. Lieber einmal richtig (15–20 Liter pro m²) als täglich ein bisschen.
Nachsäen – wenn nötig
Kahle Stellen können gezielt nachgesät werden. Am besten direkt nach dem Vertikutieren, vor dem Düngen. So bekommen die Samen Bodenkontakt. Die Keimzeit beträgt etwa 10–14 Tage, je nach Temperatur und Feuchtigkeit.
Praxis-Tipp: Decken Sie nachgesäte Stellen mit einer dünnen Schicht Rasenerde ab (ca. 0,5 cm). Das verbessert die Keimrate deutlich und schützt vor Vögeln.
Betreten vermeiden
In den ersten drei Wochen sollte die Fläche möglichst wenig betreten werden. Jeder Tritt verdichtet den Boden wieder leicht. Gerade nach dem Vertikutieren ist der Rasen empfindlich.

Rasen vertikutieren und düngen – wie oft im Jahr?
Wie oft sollten Sie vertikutieren und düngen? Das hängt vom Zustand Ihres Rasens ab.
Vertikutieren: Einmal jährlich im Frühjahr reicht für die meisten Rasenflächen. Nur bei sehr starker Moosbildung oder extremem Filzaufbau ist ein zweiter Durchgang im Herbst sinnvoll.
Düngen sollten Sie drei bis viermal pro Jahr: im Frühjahr (März/April) mit stickstoffbetontem Dünger, im Frühsommer (Mai/Juni) mit Langzeitdünger, im Spätsommer (August) bei Bedarf und im Herbst (September/Oktober) mit kaliumbetontem Herbstdünger.
Wer nach dem Vertikutieren im Frühjahr düngt, deckt damit bereits die erste Gabe ab.
Unterstützung im Alltag: automatisierte Rasenpflege
Wer regelmäßig vertikutiert und düngt, kennt das Problem: Der richtige Schnitt danach ist entscheidend. Zu seltenes Mähen lässt das Gras schwächen, zu häufiges belastet es.
Mähroboter wie der Navimow können hier unterstützen. Sie sorgen durch regelmäßiges, schonendes Kürzen für gleichmäßigen Wuchs – ohne manuelle Arbeit. Gerade nach dem Vertikutieren ist konstantes Mähen auf optimaler Höhe entscheidend.
Der Vorteil liegt im Mulchprinzip: Das feine Schnittgut bleibt liegen und versorgt den Rasen mit Nährstoffen. Das reduziert den Düngebedarf leicht und fördert die Bodenaktivität. Weitere Informationen zu passenden Lösungen finden Sie auf der Navimow-Website.
Ein gleichmäßig gemähter Rasen bildet weniger Filz. Das bedeutet: Wer regelmäßig mäht, muss seltener vertikutieren. Die Pflege wird insgesamt entspannter.
Fazit: Rasen vertikutieren und düngen – mit System statt Routine
Rasen vertikutieren und düngen ist kein fixer Termin im Kalender – sondern eine gezielte Maßnahme, die zum richtigen Zeitpunkt gemacht werden muss. Wer den Zeitpunkt richtig wählt, die Reihenfolge einhält und dem Rasen danach Zeit gibt, wird mit dichterem Wuchs belohnt.
Im Frühjahr sorgt die Kombination für einen kräftigen Start. Im Herbst kann sie – vorsichtig eingesetzt – die Widerstandskraft erhöhen. Entscheidend ist, nicht zu viel zu wollen und die Reaktion des Rasens zu beobachten.
Ein gesunder Rasen zeigt ziemlich klar, was er braucht – man muss nur genau hinschauen.
Häufig gestellte Fragen: Rasen vertikutieren und düngen
Kann ich im Sommer vertikutieren?
Besser nicht. Bei Hitze und Trockenheit ist der Rasen gestresst. Vertikutieren schwächt ihn zusätzlich. Warten Sie bis Herbst oder verschieben Sie auf das nächste Frühjahr.
Muss ich nach jedem Vertikutieren nachsäen?
Nein, nur wenn größere kahle Stellen entstehen. Oft schließt sich die Fläche durch Düngung und regelmäßiges Mähen von selbst.
Wie lange dauert die Regeneration nach dem Vertikutieren?
Etwa 2–3 Wochen bis zur sichtbaren Erholung, 6–8 Wochen bis zur vollständigen Regeneration. Bei Nachsaat entsprechend länger.








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